Medienmitteilung vom 05. November 2010
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Communiqué zu Frau Aepplis Sinneswandlungen
Medienmitteilung vom 21. Januar 2010
Liebe Medienschaffende,
Heute Morgen hat die Universitätsleitung den HIM-Pavillon, den selbstorganisierten Treffpunkt der studentischen Bewegung, unangekündigt gesperrt. Die mediale Aufmerksamkeit, der breite öffentliche Zuspruch, die Unterstützung von Studierenden und Dozierenden, die europaweite Vernetzung unserer Bewegung – all dies liess die Universitätsleitung unbeeindruckt. Mit ihrem harschen Vorgehen signalisiert sie nicht nur Skrupellosigkeit und völlige Gleichgültigkeit gegenüber den studentischen Anliegen, sondern auch den kompletten Unwillen, ernsthaft etwas gegen die bildungspolitische Misere zu unternehmen, die in den letzten Monaten nicht nur von den Studierenden beklagt, sondern auch in einer lang anhaltenden öffentlichen Debatte immer wieder angeprangert wurde.
Die Schliessung des Pavillons erfolgte völlig unvermittelt; die Verhandlungen über die Raumfrage waren erst am Anfang. Die Behauptung, der Zweck der Nutzung des Pavillons sei mit der Fertigstellung des Forderungskatalogs erfüllt, entspricht in keiner Weise den getroffenen Abmachungen: Der Raum wurde uns unter der Auflage zur Verfügung gestellt, dass wir ihn auch nutzen für unsere politische Arbeit. Und diese Arbeit war mit der Überreichung des Forderungskatalogs keineswegs zu Ende, wir organisierten Workshops, Referate, Lesezirkel und vieles andere mehr. Es war überdeutlich, dass der Pavillon für unsere breit abgestützte Bewegung dringend benötigt wird, und ausserdem auch für die Univerwaltung eine unkomplizierte Lösung darstellt, mit der sich unnötige Konfrontationen vermeiden lassen.
Während in ganz Europa die Studierendenbewegungen mit harter Repression zerschlagen werden, fahren die universitären Verwaltungen ungerührt in ihrer politischen Agenda fort: Just heute Donnerstag bringt sich Rektor Andreas Fischer an der Schweizerischen Rektorenkonferenz ein. Die Tagesordnung dieser Sitzung ist streng geheim. Doch worum es gehen wird, ist ohnehin klar: Die Hochschulen werden weiter auf eine besinnungslose "Wettbewerbsfähigkeit" getrimmt, die schikanöse Bolognareform wird, ungeachtet aller erbitterten Proteste, weiter durchgepeitscht.
Wir sind enttäuscht darüber, wie die universitären EntscheidungsträgerInnen die Studierendenproteste in ganz Europa schlicht ignorieren oder mit unverbindlichen Zusagen abspeisen, um dann mit dem neoliberalen Umbau der Hochschulen wie geplant fortzufahren.
Unsereuni
[ Read more ... ]Offener Brief 20.01.2010
Liebe Medienschaffende, lieber Rektor
Am 17. November 2009 besetzten über 400 Studierende den grössten Hörsaal der Universität Zürich. Im Zuge dieser Besetzung bildeten wir die Bewegung Unsereuni, um gemeinsam gegen die Ökonomisierung der Bildung, den Kahlschlag im Bildungswesen und die Elitarisierung der Universität zu protestieren. Die Unileitung versprach, unsere Forderungen ernst zu nehmen und stellte uns für die Weiterführung unserer Arbeit den Pavillon HIM zur Verfügung, mit der Auflage, dass dieser Raum auch wirklich für eine intensive politische Arbeit genutzt wird.
Diese Arbeit führen wir noch immer engagiert und erfolgreich fort. Unser Veranstaltungskalender ist bis Ende März belegt. Wir organisieren Seminare, Kolloquien, Lesezirkel und rege besuchte Vollversammlungen. In Arbeitsgruppen vertiefen wir unsere politische Arbeit und entwickeln unsere Forderungen weiter. Zudem hat sich ein offener und selbstbestimmter Raum entwickelt, in dem sich alle Interessierten an kritischen Diskussionen beteiligen und alternative Lern- und Lehrformen erproben können. Kurz, der Pavillon bietet die Möglichkeit, die vielfältigen Anliegen, die sich während der Unibesetzung artikuliert haben, auszuformulieren und für eine kontinuierliche politische Auseinandersetzung zu festigen.
Vor dem Hintergrund dieser erfreulichen Entwicklung irritiert uns der Beschluss der Unileitung sehr, uns den Pavillon HIM nicht mehr zur Verfügung zu stellen. Der Vorschlag, wir sollen uns stattdessen im Rahmen der bestehenden Strukturen studentischer Mitbestimmung betätigen, verkennt völlig die Tragweite und den dynamischen Charakter unserer Bewegung. Viele von uns haben bereits eingehende Erfahrungen mit den integrierten studentischen Einrichtungen gemacht, und sind von deren äusserst beschränkten Handlungsmöglichkeiten vollständig ernüchtert. Gerade deshalb engagieren wir uns ja für neue Formen der Mitbestimmung. Wir meinen, dass der Pavillon der Bewegung einen Rahmen gibt, in dem ihr offener und lebhafter Charakter gewahrt wird und dennoch konfrontative Situationen vermieden werden können. Trotz der unkonventionellen Struktur von Unsereuni bleibt ihre organisatorische Verlässlichkeit jederzeit gewährleistet: Die Kommunikation mit dem Rektorat verlief stets reibungslos und für beide Seiten zufriedenstellend, und es gab bisher keinerlei Beschwerden über die Nutzung des Pavillons.
Es besteht also auch aus administrativer Sicht keinerlei Anlass, dieses Projekt zu beenden. Sollte die Unileitung dies anders sehen, ist sie selbstverständlich eingeladen, allfällige Probleme an einer unserer Vollversammlungen einzubringen, es wird sich gewiss eine gute Lösung finden. Im Vorgehen der Unileitung erkennen wir den Versuch, unsere Kampagne möglichst sang und klanglos abzuklemmen. Dies ist völlig unangemessen; wir stehen erst am Anfang einer überfälligen breiten Auseinandersetzung mit bildungspolitischen Problemen, welche ein Engagement von allen erfordert, die in den universitären Prozess eingebunden sind. Unsereuni muss als Repräsentantin der studentischen Unzufriedenheit bei allen kommenden Gesprächen handlungsfähig bleiben und ernst genommen werden. Dafür ist es unabdingbar, dass wir über die dafür notwendige Infrastruktur weiterhin verfügen können. Wir erhoffen uns für die weitere politische Zusammenarbeit auch von der Universitätsleitung ein initiatives Vorgehen, welches über blosse Lippenbekenntnisse hinausgeht. Die breite Unterstützung, die wir auch von Seiten der Dozierenden erfahren haben, macht deutlich, dass unsere Anliegen keine rein studentischen sind und eine tiefgreifende Veränderung auf allen universitären Ebenen unbedingt wünschenswert ist. Gerne nutzen wir den Pavillon HIM weiter und hoffen, dass die Universitätsleitung uns dabei unterstützt.
Mit freundlichen Grüssen
Unsereuni
Medienmitteilung vom 18. Januar 2010
Vollversammlung – Gespräch mit dem Rektor – Nutzung des HIM-Pavillons
unsereuni hat der Universitätsleitung am Donnerstag einen konkretisierten Forderungskatalog übersandt und den Rektor zum Gespräch eingeladen. Die Universitätsleitung hatte uns mitgeteilt, dass damit die Duldung der Protestbewegung im HIM-Pavillon ein Ende habe. unsereuni legte im Gegenzug dar, dass wir den Raum für eine grosse Zahl laufender und anstehender Aktivitäten benötigen. Der Pavillon ist als studentischer Raum betrieben, der an der Uni Zürich not tut. Die Universitätsleitung besteht dennoch auf der Freigabe. Deshalb findet am Dienstag 19.01.2010 um 19:00 Uhr im Pavillon eine Vollversammlung statt. Die Protestbewegung entscheidet über das Schicksal des HIM-Pavillons und die zukünftige Form von unsereuni.
unsereuni hat Rektor Fischer zum Gespräch in den Pavillon eingeladen, das Regierungsrätin Regine Aeppli an der Demo vom 2. Dezember versprochen hatte. Der letzte Versuch im freigegebenen Hörsaal KOH B10 war von beiden Seiten als unbefriedigend erklärt worden. Als nicht verplante Termine sind vorgeschlagen: 25. Februar 15:00-18:00 Uhr; 1. März ab 16:00 Uhr; 2. März 15:00-18:00 Uhr; 4. März ab 16:00 Uhr; 5. März ab 16:00 Uhr.
unsereuni führt bis März eine Fülle von Veranstaltungen und Seminaren durch. Für April ist eine Diskussionsreihe in Planung, in der die konkreten Probleme in einzelnen Fakultäten und Instituten mit allen Betroffenen - vom Dekan bis zur Studierenden - analysiert werden. Das stellt einen entscheidenden Beitrag zur inhaltlichen Debatte und zur Veränderung der Hochschulverhältnisse dar. Parallel zu den Bildungsaktivitäten findet weiterhin der studentische Kulturbetrieb statt. Zusammen mit den organisatorischen Tätigkeiten der Arbeitsgruppen und Plena führt das zur permanenten Auslastung des Pavillons. Die Selbstorganisation der Studierenden ist ein zentrales Anliegen. Sie ermöglicht es, aktiv an der Kultivierung einer überfälligen Debatte der Hochschulbildung zu arbeiten und gleichzeitig konkrete Veränderungen des universitären Betriebs durchzusetzen und zu begleiten.

